Vorsicht Fake-Fragen: Ein „Ja“ am Telefon kann teuer werden – 5 Tipps gegen Telefonbetrug

Telefonbetrug boomt. Und es gibt eine neue Masche: Manipulierte Tonaufzeichnungen. Der Angerufene wird dazu gebracht, „Ja“ zu sagen. Im Mitschnitt erscheint das „Ja“ dann als Auftragsbestätigung. Fünf Tipps schützen effektiv vor Telefonbetrug.

„Guten Morgen, spreche ich mit Frau Müller?“ Wenn Frau Müller jetzt mit „Ja“ antwortet, war der Telefonbetrug bereits erfolgreich. Es kann aber auch sein, der Anrufer will für eine Umfrage wissen, ob Sie italienisches Essen mögen. Oder er behauptet, Mitarbeiter eines Paketdienstes zu sein und sich mit Ihnen über die Zustellung einer Zusendung abstimmen zu wollen: „Sind Sie heute zwischen 18 und 19 Uhr daheim?“ Ein anderer beliebter Trick beim Telefonbetrug: Der Anrufer täuscht Verbindungsprobleme vor und fragt, ob Sie ihn trotzdem verstehen können: „Ja?“

Was auch immer der Anrufer Ihnen am Telefon erzählt: Antworten Sie auf Fragen niemals mit „Ja“. Im manipulierten Mitschnitt des Gesprächs ist Ihr „Ja“ sonst später als Zustimmung zu einem Vertragsabschluss zu hören. Sind die Telefonbetrüger bereits im Besitz Ihrer Bankdaten, wird nun einfach eine Abbuchung vorgenommen. Andernfalls erhalten Sie eine Rechnung. Besonders dreiste Abzocker versuchen aber auch, Ihnen im Gespräch Ihre Bankverbindung zu entlocken.

  • Wie Betrüger Ihre persönlichen Daten stehlen – hier erfahren Sie mehr zum Thema Doxing.

Telefonbetrug: Vorsicht bei Fragen zur Bankverbindung

Anrufer, die bisher keinerlei Informationen über Ihre Bankverbindung haben, greifen gerne auf den Datenabgleich-Trick zurück. Ein solches Telefonat kann beispielsweise so ablaufen:

  • Betrüger: Sie haben uns ja vor drei Jahren eine Abbuchungsberechtigung erteilt. Ich wollte fragen, ob das noch aktuell ist?
  • Kunde: Ich habe keine Abbuchungsberechtigung erteilt.
  • Betrüger: Laut meinen Informationen liegt die Abbuchungsberechtigung aber sogar für zwei Konten vor, für ein Kreissparkassen-Konto und ein Volksbankkonto.
  • Kunde: Ich bin gar kein Kreissparkassen-Kunde und ich habe Ihnen auch keine Abbuchungsberechtigung für mein Volksbankkonto erteilt.
  • Betrüger: Das ist komisch. Aber wenn Sie möchten, löschen wir den Abbuchungsvermerk natürlich. Am besten gleichen wir jetzt einfach das Volksbankkonto ab, dann gebe ich die Löschungsanweisung sofort an die Buchhaltung weiter.

Wenn Sie jetzt Ihre Bankverbindung nennen, wird es sich später auf dem manipulierten Mitschnitt so anhören, als würden Sie einen Abbuchungsauftrag erteilen.

Leider sind es keineswegs nur No-Name-Firmen, die mit unseriösen Callcentern zusammenarbeiten. Die Bildzeitung berichtete in einem großen Artikel am 20. März 2019 von einem besonders krassen Fall von Telefonbetrug. Eine Sky-Callcenter-Mitarbeiterin stellte hier einem Berliner Kaufmann nur eine einzige Frage: „Haben Sie kurz Zeit?“ Antwort des Berliners: „Ja.“ Dann brach das Gespräch ab, berichtete Bild. Dafür bekam der Kaufmann kurz darauf eine Mail, in der ihm „die gewünschte Pay-TV-Vertragsverlängerung“ bestätigt wurde.

Wie Sie sich vor Telefonbetrug schützen

  1. Sagen Sie nie das Wort „Ja“, wenn sich ein Unbekannter meldet.
  2. Sobald Sie merken, dass ein Callcenter hinter dem Anruf steckt, legen Sie kommentarlos auf. Lassen Sie sich nicht auf ein Gespräch ein.
  3. Schließen Sie generell keine Verträge am Telefon ab.
  4. Geben Sie niemals Ihre Bankverbindung am Telefon bekannt. Banken und Ämter fragen nie am Telefon nach Ihren Bankdaten.
  5. Kontrollieren Sie regelmäßig alle Abbuchungen.

Wenn Sie Opfer eines Telefonbetrugs geworden sind: Buchen Sie das Geld zurück. Jede Lastschrift kann innerhalb von sechs Wochen ohne Angabe von Gründen widerrufen werden. Zeigen Sie den Telefonbetrug an, sonst schalten die Betrüger womöglich ein Inkasso-Büro ein.

Übrigens: Falls Sie am Telefon tatsächlich zu einem Vertrag überredet werden, können Sie das gesetzlich vorgeschriebene 14-tägige Widerrufsrecht nutzen.

Mehr Fragen zum Telefonbetrug oder zu anderen Sicherheitsthemen? Wir beraten Sie gern.

Über den Autor Bernd Elsenhans


Bernd Elsenhans ist Geschäftsführer der EOS Sicherheitsdienst GmbH & Co. KG und der EMS Werteinlagerung e.K. in Heidenheim an der Brenz. Als Sicherheitsexperte unterstützt er seine Kunden bei Werkschutz, Personenschutz und Veranstaltungssicherheit, bei der Abwehr von Wirtschaftskriminalität sowie bei Werttransporten und Werteinlagerung in eigens für Heidenheim erstellten, privaten Schließfächern. Bernd Elsenhans ist kooperatives Mitglied im Verband für Sicherheit in der Wirtschaft sowie 2. Vorsitzender des Vereins Freunde schaffen Freude e.V., einer Initiative zur Unterstützung von Menschen in Not. Er wurde bereits wiederholt mit dem Innovationspreis Ostwürttemberg ausgezeichnet, dem Mittelstandspreis Soziale Verantwortung und gehörte mit seinem Unternehmen EOS im Jahr 2015 zu den Finalisten für den OSPAs Security Outstanding Security Performance AWARD.