Das taugen Billiganbieter im Wachdienst

Nach mehr Sicherheit rufen heute viele. Trotzdem ist es gerade um dieses Thema schlecht bestellt. Die Branche der Wach- und Sicherheitsleute leidet unter einem Preiskampf und unseriösen Firmen. Was ist jetzt zu tun?

Wachmann Schulze ist müde. Seine Augen brennen. 12 Stunden schon blickt er unentwegt auf die Monitore und auf die Einfahrt eines Firmengeländes. Ohne die Überstunden käme Schulze kaum über die Runden, bei einem Lohn von fünf Euro in der Stunde. Ist er noch in der Lage einen Schwelbrand frühzeitig zu erkennen? Ganz sicher sei er da nicht, sagt Schulze, der in Wirklichkeit einen anderen Namen hat. Er behält ihn lieber für sich, aus Angst, seinen Job zu verlieren.

Doch die „Schulzes“ sitzen überall. Trotz der Bedrohungen der letzten Zeit scheint Sicherheit für viele Unternehmen keinen besonders hohen Stellenwert zu genießen. „Billig muss sie sein“, hören wir immer wieder von potentiellen Kunden. Ob nun der Wachmann gut ausgebildet und erfahren sei, ob er tariflich entlohnt werde und Pausen mache, interessiert die wenigsten Firmen. Jüngstes Beispiel erzählte uns ein Branchenkollege mit dem einer seiner größeren Kunden folgendes geschah: „Lange Zeit hat das Unternehmen mit uns als einem seriösen und fachkundigen Sicherheitsunternehmen zusammengearbeitet. Als wir im vorigen Jahr unsere Preispolitik änderten und von Niedrigpreisen zu höheren tariflich vorgeschriebenen Löhnen übergingen, hat unser Kunde die Zusammenarbeit beendet – und sich nach einem günstigeren „Dienstleister“ umgesehen.“

Der Preis macht die Musik

Der Preis macht die Musik in unserer Branche, die jedem offen steht. Für eine Firmengründung reicht eine Sachkundeprüfung. Und so tummeln sich neben großen Konzernen und zahlreichen Mittelständler viele Miniunternehmen, darunter kleine Türsteherfirmen, Ausgründungen aus Kampfsportschulen und Niederlassungen ostdeutscher Firmen mit hausgemachten Tarifen und Arbeitsstandards. Bundesweit stieg die Zahl der Wach- und Sicherheitsfirmen nach Angaben des BDWS von 5225 im Jahr 2014 auf 5500 Unternehmen im Jahr 2015. Der größte Teil davon sind „Einmannfirmen“ mit „Wohnzimmerbüros“.

Noch vor wenigen Jahren gab es genug Arbeit für alle. Die Kunden tendierten dazu, sämtliche Dienstleistungen, so auch den Wach- und Sicherheitsdienst, anderen Firmen zu überlassen („Outsourcing“). Auch sorgten sich zunehmend mittelständische und kleine Firmen, die über wertvolles Wissen verfügen, um ihre Sicherheit und legten sich einen Wachdienst zu. Viele Unternehmen beendeten die Zusammenarbeit mit den Dienstleistern und ersetzten sie durch eigenes Personal – oft unerfahrene, unqualifizierte Mitarbeiter, die sonst hätten entlassen werden müssen“. Oft war der Grund hierfür die unqualifizierte Arbeitsweise und das schlecht bis gar nicht ausgebildete „Personal“ der Billiganbieter.

Um zu überleben, erweiterten viele Wachdienst- und Sicherheitsfirmen ihr Geschäft, etwa auf Haus-, Kurier-, Reinigungsdienste, Sicherheitstechnik oder Beratung und reduzierten das Personal auf ein Minimum. Und wie sooft behelfen sich die kleinen „Wohnzimmerfirmen“ im Falle eines kranken Mitarbeiters einfach damit, dass ein Kollege die ganze Nacht zwischen zwei Standorten hin und her pendelt. Die Kunden bekommen davon gar nichts mit. Und in der „Zentrale“, erledigt eine Person die Kundenakquise, Kundenbetreuung, Personalabteilung und den Bereitschaftsdienst in einer Person – in einem Büro so groß wie eine Hundehütte.

Gespart wird jedoch auch an der Ausstattung und der Technik. Viele Wachmänner einiger schwarzer Schafe der Branche verbringen den Arbeitstag in Containern oder provisorisch eingerichteten „Büro-Pforten“ und haben auf ihren Rundgängen keinen Notfall-Melder bei sich, der die Zentrale informiert, wenn der Wachmann kein Lebenszeichen mehr von sich gibt. Auch bekommt nicht jeder ein Mobiltelefon oder Funkgerät, das die Distanz zur Zentrale überbrücken kann. Bei Notfällen bleibt also nur der Spurt zum festen Telefonapparat.

Durch intensive Aufklärungsarbeit über unsere Branche der Bewachungsunternehmen versuchen wir uns als qualitativ hochwertiges Unternehmen unseren Kunden zu präsentieren. Die strenge Tarifgebundenheit sowie übertarifliche Bezahlung sind nur wenige Indizien für ein seriös arbeitendes Unternehmen unserer Branche.

Sicherheitsdienstleistungen und Überwachungs- sowie Sicherungsaufgaben für Ihr Unternehmen müssen nicht teuer sein, dürfen aber nicht in falsche Hände gegeben werden. Eine ausführliche und umfassende Information für alle Entscheidungsträger ist von bedeutender Wichtigkeit.

Vergleichen Sie und sprechen mit uns. Wir helfen Ihnen mit Sicherheit weiter.

 

Über den Autor Bernd Elsenhans


Bernd Elsenhans ist Geschäftsführer der EOS Sicherheitsdienst GmbH & Co. KG und der EMS Werteinlagerung e.K. in Heidenheim an der Brenz. Als Sicherheitsexperte unterstützt er seine Kunden bei Werkschutz, Personenschutz und Veranstaltungssicherheit, bei der Abwehr von Wirtschaftskriminalität sowie bei Werttransporten und Werteinlagerung in eigens für Heidenheim erstellten, privaten Schließfächern. Bernd Elsenhans ist kooperatives Mitglied im Verband für Sicherheit in der Wirtschaft sowie 2. Vorsitzender des Vereins Freunde schaffen Freude e.V., einer Initiative zur Unterstützung von Menschen in Not. Er wurde bereits wiederholt mit dem Innovationspreis Ostwürttemberg ausgezeichnet, dem Mittelstandspreis Soziale Verantwortung und gehörte mit seinem Unternehmen EOS im Jahr 2015 zu den Finalisten für den OSPAs Security Outstanding Security Performance AWARD.