Häusliche Gewalt – erkennen und helfen

Gerade während der Corona-Pandemie und des Lockdowns hat häusliche Gewalt zugenommen. Denn die Täter mussten nicht befürchten, dass etwaige blaue Augen einer Arbeitskollegin des Opfers auffallen. Wo häusliche Gewalt beginnt, wie man helfen kann und welchen heimlichen Hilferuf Sie kennen sollten, erfahren Sie hier.

Der eigentlich doch so liebevolle und fürsorgliche Partner hat mich geschlagen… Aber das war sicher nur, weil er heute bei der Arbeit einen so schlechten Tag hatte und ich ihn provoziert habe. Das wird nicht nochmal vorkommen, das war ein Ausrutscher.

Nein, das war es nicht. Das Opfer trägt auch keine Schuld am Handeln des Täters. Und deshalb ist „nur eine Ohrfeige“ auch genug, um die Beziehung zu beenden. Denn wenn er einmal schlägt, wird er es höchst wahrscheinlich wieder tun.

Häusliche Gewalt: 5 Formen

1. Physische Gewalt

Faustschläge, Ohrfeigen, Stöße, Tritte, Fesseln, Würgen, Morddrohungen und Mord, Angriffe mit Waffen aller Art, Angriffe mit Gegenständen.

2. Sexuelle Gewalt

Zwangsprostitution, Vergewaltigung oder Nötigung.

3. Psychische Gewalt

Drohungen, die Kinder wegzunehmen, Ankündigungen, sich selbst, der Partnerin oder den Kindern etwas anzutun. Demütigungen/Lächerlichmachen in der Öffentlichkeit und im privaten Raum, Beleidigungen.

4. Finanzielle Gewalt

Alleinige Kontrolle der Finanzen durch den Täter, das Opfer muss immer um Erlaubnis und Geld bitten, Arbeitsverbote oder Arbeitszwang.

5. Soziale Gewalt

Isolation und Kontrolle des Opfers durch den Täter, Kontrolle der sozialen und familiären Kontakte bis hin zum Kontaktverbot. Kontrolle der sozialen Netzwerke und des Handys.

Häusliche Gewalt: Folgen für die Opfer

Häusliche Gewalt ist keine Kleinigkeit, die man so eben mal schnell wegsteckt. Den Opfern bleiben oft lebenslange Probleme. Auch bei Kindern, die häusliche Gewalt miterleben mussten oder selbst zum Opfer wurden, bleiben schwere Schäden, die ihr ganzes Leben beeinflussen können.

Bei Opfern häuslicher Gewalt kommt es oft zu Schlafstörungen, Depression, Angstzuständen, Misstrauen, Gefühlen der Beschmutzung und Stigmatisierung, Scham- und Schuldgefühlen, Todeswünschen, niedrigem Selbstwertgefühl, selbstverletzendem Verhalten, Verzweiflung, Abhängigkeit von Drogen und Medikamenten, Essstörungen, Suizid oder Suizidversuchen.

Ähnlich wie Geiselopfer können Opfer häuslicher Gewalt das Stockholm-Syndrom entwickeln, weil sie sich zum eigenen Schutz unbewusst dem Täter anpassen und versuchen, ihn trotz allem sympathisch zu finden. Die betroffenen Personen übernehmen dann das Denkmuster des Täters, sind der festen Überzeugung, die Übergriffe seien ihre Schuld. Dadurch kommt es zu einer für Außenstehende oft unerklärlichen Koalition mit dem Täter.

Häusliche Gewalt: Folgen für Kinder

Kinder, die miterleben, wie häusliche Gewalt gegen ein anderes Familienmitglied ausgeübt wird, entwickeln häufig dieselben Probleme wie die direkten Opfer. Hinzu kommen oft auch Schwierigkeiten in der Schule und Aggressivität. Außerdem besteht ein größeres Risiko, dass diese Kinder später selbst zu Opfern oder Tätern von häuslicher Gewalt werden.

Häusliche Gewalt: Statistiken

Mehr Frauen als Männer werden Opfer häuslicher Gewalt, die Täter sind meist Männer.

Fast jede siebte Frau erlebt seit ihrem 16. Lebensjahr Formen von sexualisierter Gewalt, mindestens jede Dritte körperliche Gewalt und Übergriffe. Die Täter stammen meist aus dem näheren Umfeld, sind Partner oder Familienangehörige.

Häusliche Gewalt: Was tun als Opfer oder Zeuge?

1. Suchen bzw. bieten Sie Unterstützung

Als Betroffene: Sprechen Sie mit einer Person, der Sie vertrauen, über die Misshandlungen und überlegen Sie gemeinsam, wie es weitergehen soll.

Als Außenstehender: Wenn Sie den Verdacht haben, dass jemand Opfer häuslicher Gewalt ist, signalisieren Sie der Person Ihre Hilfsbereitschaft. Drängen Sie sich aber nicht auf und versuchen Sie nicht, das Opfer unter Druck zu setzen.

2. Rufen Sie bei einer Hilfsstelle an

Hilfe finden Sie als betroffene Frau unter Telefon: 08 000 116 016. Die Hotline ist anonym, in 18 Sprachen verfügbar und rund um die Uhr erreichbar.

Hilfe finden Sie als betroffener Mann unter Telefon: 08 00 123 9900. Die Hotline ist Montag bis Donnerstag von 9 bis 13 Uhr und von 16 bis 20 Uhr, freitags von 9 bis 15 Uhr erreichbar.

Als Außenstehender: Wenn Sie aus der Nachbarwohnung Schreie hören oder den Verdacht haben, dass einer Ihrer Bekannten Opfer von häuslicher Gewalt ist, können Sie sich ebenfalls über diese Nummern beraten lassen.

Wenn Sie akut Zeuge häuslicher Gewalt werden, rufen Sie die Polizei (Notruf 110). Sie sind nicht verpflichtet, sich selbst körperlich zu gefährden, um die Gewalt zu unterbinden.

3. Sprechen Sie Zeugen an

Je mehr Menschen sich als Zeugen zur Verfügung stellen, desto leichter hat es das Opfer später bei der Polizei und vor Gericht.

Handzeichen als geheimer Hilferuf bei häuslicher Gewalt

Die Geste ist klein und so unauffällig, dass der Täter sie hoffentlich nicht bemerken wird, wenn das Opfer sie beispielsweise während einer Videokonferenz oder in Anwesenheit eines Besuchers in der Wohnung macht: Das Opfer hält die Hand wie zum Grüßen nach oben, die offene Handfläche weist auf den Gegenüber. Dann wird der Daumen nach innen geknickt und langsam von den anderen Fingern eingeschlossen. 

Wenn Sie diese Geste sehen, verständigen Sie die Polizei mit dem Verdacht auf häusliche Gewalt.

Hoffentlich werden Sie nie in eine solche Situation geraten.

Haben Sie noch Fragen zum Thema häusliche Gewalt oder möchten Sie einen Selbstverteidigungskurs machen? Kontaktieren Sie uns, wir beraten Sie gerne.

Über den Autor Bernd Elsenhans


Bernd Elsenhans ist Geschäftsführer der EOS Sicherheitsdienst GmbH & Co. KG und der EMS Werteinlagerung e.K. in Heidenheim an der Brenz. Als Sicherheitsexperte unterstützt er seine Kunden bei Werkschutz, Personenschutz und Veranstaltungssicherheit, bei der Abwehr von Wirtschaftskriminalität sowie bei Werttransporten und Werteinlagerung in eigens für Heidenheim erstellten, privaten Schließfächern. Bernd Elsenhans ist kooperatives Mitglied im Verband für Sicherheit in der Wirtschaft sowie 2. Vorsitzender des Vereins Freunde schaffen Freude e.V., einer Initiative zur Unterstützung von Menschen in Not. Er wurde bereits wiederholt mit dem Innovationspreis Ostwürttemberg ausgezeichnet, dem Mittelstandspreis Soziale Verantwortung und gehörte mit seinem Unternehmen EOS im Jahr 2015 zu den Finalisten für den OSPAs Security Outstanding Security Performance AWARD.